Archive for the 'Allgemeines' Category

17
May

Mathematik Unterricht für die Zukunft

Beispielhaft!:

25
Jan

One Laptop Per Child

Aus meinem News Archiv: May/June 2008

Print0001

Print0002

Print0003

Print0004

Print0005

Print0006

Print0007

For more information, go to technologyreview.com

20
Jan

Lehren und Lernen: „Cool, eine eher exotische Sache“

Aus meinem NEWS Archiv: 27. Oktober 2008

Das Impulszentrum für „Cooperatives Offenes Lernen“ (Cool) räumt mit dem klassischen Unterricht auf. In einem Teil der Schulstunden ist der Lehrer Partner, die Schüler bestimmen Tempo und Stoffbereich.

Man kann mit anderen zusammen arbeiten.“ „Das ist jetzt viel lustiger.“ „Es bleibt einfach mehr hängen.“

Unterricht einmal anders. Interessant, abwechslungsreich, mitunter fröhlich, die Schüleraussagen sind eindeutig. Es darf, richtiger: soll mit den Mitschülern geredet werden. Und das alles nicht in einem Sondertyp einer Privatschule, sondern durchaus im öffentlichen Schulwesen. Genauer: in jenen berufsbildenden höheren Schulen, die sich am Projekt „Cool“ beteiligen.

Georg Neuhauser und Helga Wittwer, beide von der Handelsakademie Steyr, sind die Initiatoren des Projekts „Cooperatives Offenes Lernen“, kurz Cool genannt. Es geht dabei in erster Linie um eine Lehrerkooperation, „eine eher exotische Sache“, wie Neuhauser sagt. Denn Lehrer sind hierzulande ausgebildete Einzelkämpfer. Die Teamarbeit ist dabei weitgehend unbekannt. Neuhauser: „Die meisten Lehrer sind gewohnt, dass ihnen niemand dreinredet, sie lassen sich ihre Freiheit nicht nehmen.“ Und parallel dazu steht die Teamarbeit der Schüler.

Die beiden Cool-Initiatoren haben schon vor zwölf Jahren ein Bedürfnis für eine Veränderung festgestellt. 1996 starteten sie ihr Pionierprojekt, das derzeit eine steile Aufwärtsentwicklung erlebt. Bereits mehr als 80 Schulen praktizieren in der einen oder anderen Form den Cool-Unterricht. Die Grundidee der gesamten Initiative ist recht einfach: Wenn Schülerinnen und Schüler teamfähig werden sollen, dann müssen es die Lehrerinnen und Lehrer auch sein. Sie müssen sich also zu Einstiegsklausuren zu Beginn des Schuljahres, dann zu regelmäßigen Teamsitzungen zwecks Reflexion und Weiterentwicklung des Cool-Projekts treffen. Ohne zusätzliche Gage oder angerechneter Unterrichtsstunde übrigens.

Die Lehrkräfte machen mit, „weil es ein Bedürfnis nach einer Veränderung des Unterrichts gibt“ (Neuhauser). Denn einem fünf- oder sechsstündigen Vortrag – wenig schmeichelhaft als Frontalunterricht gebrandmarkt – könnten die Schüler nicht konzentriert folgen. Also müsse man für eine Abwechslung sorgen.

Auch die Schüler haben ihre wöchentliche oder vierzehntägige Klassenratssitzung, wo sie ihre Anliegen besprechen, Gesprächsregeln trainieren und Moderationstechniken erlernen. Im Unterricht verfügt der einzelne Schüler wiederum über die Freiheit, wann, wo und wie er die gestellten Aufgaben bis zu den vorgegebenen Terminen bewältigen will.

„Freiheit und Kooperation“, diese Grundprinzipien der Cool-Strategie kommen aus dem in den Niederlanden praktizierten Daltonplan: Wahlfreiheit und Eigenverantwortung für den Lernfortschritt, Zusammenarbeit und Teamfähigkeit, selbstständiges Planen und Organisieren. Es geht um die Entscheidungsfreiheit der Schüler in einem Teilbereich ihrer Arbeit. Die Schüler arbeiten mit schriftlichen, oft auch fächerübergreifenden Arbeitsaufträgen, die Lehrkräfte werden zu Moderatoren, zu Begleitern des Lernprozesse, zum Coach.

Der Erfolg? Weniger Nicht genügend, weniger Fehlstunden, höhere Schulzufriedenheit, Steigerung der Motivation. „Es gibt eine deutliche Verbesserung in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenz sowie leichte Verbesserungen im Bereich der fachlichen Leistung“, sagt Georg Neuhauser.

In den Niederlanden oder in Dänemark nimmt das sogenannte „offene Lernen“ 60 bis 70 Prozent der Schulzeit ein, in den österreichischen Cool-Schulen gestaltet man etwa 30 Prozent nach dem Cool-Konzept. „Ein Lehrer-zentrierter Unterricht ist weiter notwendig“, sagt Neuhauser. Bei diesem Lehrervortrag gehe es um konkrete Instruktionen, an die sich ein Arbeitsauftrag anschließt; oder um Sachverhalte, die für alle Schüler und für deren Projektausführungen wichtig sind. Der reine „Stoffunterricht“ ist wiederum Teil der Instruktionen bzw. Teil des offenen Lernens.

Natürlich gibt es auch in den Cool-Klassen Schüler die eine Klasse wiederholen müssen. Das ist dann der Fall, wenn Schüler die Arbeitsaufträge verweigern und auch bei Wiederholungen versagen. Die Repetentenquote ist aber im Vergleich zu früher deutlich gesunken.

Erste Impulse aus der Wirtschaft

Die beiden Verantwortlichen für das 2001 gegründete Cool-Impulszentrum, Helga Wittwer Georg Neuhauser, wollen so viele Schulen wie möglich für ihr Unterrichtsmodell gewinnen. „Nach oben soll es keine Grenzen geben“, so das Motto. Der bisherige Cool-Kreis besteht aus Handelsschulen, Handelsakademien und höhere Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe (HLW), weil eben der partnerschaftliche Arbeitsunterricht immer schon von der Wirtschaft und Industrie gefordert wurde. Jetzt will man aber bestehende Gräben zwischen den Schultypen überwinden und den Cool-Virus in die AHS hineintragen. Am Gymnasium in Bad Ischl gibt es bereits eine erste Cool-Klasse, weitere sollen folgen.

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 27.10.2008)

Online-Artikel und mehr Informationen auf diepresse.com

14
Dec

Gesellschaft: Unerzogene Kinder, unfähige Eltern

Aus meinem NEWS Archiv: 16. Juli 2009

In Europa grassiert eine neue Variante der Kinderfeindlichkeit – diesmal gepaart mit einem Frontalangriff auf die Eltern.

Sein Buch hat in Deutschland und Österreich gleichermaßen für Furore gesorgt. Kein Wunder – sprach doch der Titel „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ vielen Zeitgenossen aus der Seele. Interessanter aber sind die Beweggründe, die den deutschen Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff veranlassten, seinen Bestseller zu schreiben: Es sei ein Buch für alle, die verhindern wollten, dass „unsere Gesellschaft ihre Kinder eines Tages hassen wird“.

Winterhoff macht sich damit zum Repräsentanten eines Phänomens, das in der westeuropäischen Gesellschaft immer deutlicher zutage tritt: eine neue Spielart der Kinderfeindlichkeit, diesmal gepaart mit einem Frontalangriff auf die Eltern.

Dabei handelt es sich nicht „nur“ um die ältere Dame, die sich über das Kindergeschrei in der Straßenbahn aufregt, oder um das Restaurant, das kleine Gäste nicht über seine Schwelle lässt. Winterhoff greift etwas auf, das tiefer geht: die wachsende Abneigung gegen eine Kinder- und Jugendlichengeneration, die von vielen als aufmüpfig, fordernd und respektlos empfunden wird. Auffallend ist, wie aggressiv dabei das Ressentiment gegen die Eltern ausfällt: als Verursacher, deren mangelnde Erziehungskompetenz und falsch verstandene Elternliebe allerorten kleine „Monster“ hervorbringt.

Winterhoffs Pauschalverurteilung einer ganzen Kinder- und Elterngeneration illustriert die Spannungen und Belastungen, unter denen die Familie heute existieren und funktionieren muss. Nicht nur sollen Kinder und Beruf von den Eltern (als Menschen mit einem Rest an Recht auf ein eigenes Leben) unter einen Hut gebracht werden. Viele Mütter und Väter beklagen mittlerweile auch, dass sie ständig das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen und der Umwelt zu erklären, warum sie das, was sie tun, nicht erfolgreicher hinkriegen. „Alle wissen immer alles besser als die Eltern“, lautet die Klage vieler Erziehungsberechtigter.

Am besten gar keine Kinder?

In den Augen einiger Experten beschleunigt das das Ticken der demografischen Zeitbombe. Denn durch die ständige Kritik an Kindern und ihren Eltern gewinnt die Sicht immer mehr an Akzeptanz, dass Nachwuchs zu haben den Aufwand weder finanziell noch zeitlich lohnt und von der Gesellschaft ohnedies nicht honoriert wird. Auf den extremen Punkt gebracht hat dies die französische Autorin Corinne Maier mit ihrem Buch „No Kid – 40 Gründe, keine Kinder zu haben“. Maier – mit der Absolution, selbst Mutter zweier Kinder zu sein – kommt darin zu dem Schluss, dass Kinder per definitionem „kleine Monster“ seien. Und man sie daher am besten gar nicht bekommt. Die Konsequenzen dieser zunehmenden Kinderskepsis sind aus jeder – sinkenden – Geburtenstatistik ersichtlich.

Die Frage ist, warum es heute so akzeptabel – und so einfach – ist, Kinder und Eltern in Bausch und Bogen als „Monster“, „Tyrannen“ beziehungsweise „Versager“ abzuurteilen. Obwohl Erziehungsexperten wie der Däne Jesper Juul diese Entwicklung ebenfalls mit Sorge registrieren, können auch sie nicht mit fertigen Erklärungen aufwarten.

Juul, der sich anlässlich des Symposions „Kindheit und Gesellschaft“ (veranstaltet u.a. von „Welt der Kinder“ und „SOS Kinderdorf“), in Bregenz aufhielt, bemerkt diesen Trend aber sogar in den berühmt kinderfreundlichen skandinavischen Ländern. Seiner Meinung nach krankt das Verhältnis zwischen Kindern, Eltern und der Gesellschaft an sowohl positiv als auch negativ verzerrten Vorstellungen, denen nur eines gemeinsam ist: Sie sind beide unrealistisch. Auf der einen Seite würde ein romantisches Familienbild verkauft, das dann manchmal im Chaos ende: „Weil Kinder eben nicht dauernd wunderbar sind, werden sie in einer solchen Konstellation dann im Zweifelsfall auf eine süße Art vernachlässigt.“

Futter für negative Schlagzeilen

Dem gegenüber stehe ein – auch stark von den Medien forcierter – negativer Ansatz. „Kinder werden zunehmend nur noch als Problem erlebt und dargestellt“, meint Juul. „Über Wochen und Monate liest man, wie fürchterlich Kinder und Jugendliche sind. Wie sie das Leben bereichern, darüber wird nicht oft geschrieben.“

Diese Kritik am „täglichen Gruselelement Kind“ unterschreibt auch Elisabeth Schaffelhofer vom Netzwerk Kinderrechte. Sie sieht aber noch ein anderes Problem: die hohen Ansprüche, die Eltern an sich selbst stellen; dass sie ihren Kindern – nicht nur materiell – so viel wie möglich bieten wollen. 80 bis 90 Prozent deutscher und österreichischer Eltern erziehen „partnerschaftlich“, dass heißt mit viel Erklärung, Verhandlung und Überredung.

Der Erfolg von Winterhoff und anderen suggeriert der derzeitigen Elterngeneration allerdings, dass auch sie – wie schon die autoritäre und anti-autoritäre Generation vor ihr – alles falsch macht. Doch in allen schlauen Büchern fehlt leider eines: eine Lösung.

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 27.10.2008)
Online-Artikel und mehr Informationen auf diepresse.com

09
Dec

Der Lauf Der Dinge (Film, 1987)

Aus meinem NEWS Archiv: 16. July 2009

Mehr Informationen zum Film finden Sie hier!

07
Dec

Web 2.0 und das Business der Zukunft: Wiki, Facebook und Youtube für mehr Unternehmenserfolg

Aus meinem NEWS Archiv:  16. July 2009

Rund 300 web-affine Teilnehmer, darunter CEO, CIO sowie IT-Verantwortliche und Entscheidungsträger aus ganz Europa, fanden sich Anfang September zum Zukunftskongress »talk the future«, einer Initiative der IMC Fachhochschule Krems und des Linzer Software-Konzerns Fabasoft, ein.

E-MAIL IST VON GESTERN
Don Tapscott, Bestsellerautor von »Wikinomics« und »Growing Up Digital«, überzeugte das Publikum eindrucksvoll, dass die »New Generation« der unter 30-Jährigen und deren Bedürfnisse und Know-how der Schlüssel für erfolgreiches Business sind. Der Gründer und Vorsitzende des Innovations-Unternehmens Genera, dessen Name sich aus dem Begriff »New Generation« ableitet, erforscht, wie Unternehmen Web-2.0-Anwendungen, wie Wikipedia, Facebook, Youtube oder Second Life, für sich nutzbar machen können. Das »New Web« ist heute – E-Mail und »dotcom« sind von gestern, so Tapscott, der regelmäßig mit 12-jährigen Kids Businessmodelle entwickelt, denn »die Net Generation ist dabei, die Welt zu verändern.« Im November erscheint sein neues Buch »Grown Up Digital«.

UNTERNEHMEN DER ZUKUNFT: ENTERPRISE 2.0
Andrew McAfee, Harvard Professor und »Godfather of Enterprise 2.0«, zeigte in seiner fesselnden Präsentation, wie »Social Network Plattformen« in der Unternehmenspraxis funktionieren können. Enterprise-2.0-Technologien eröffnen den Unternehmen neue, innovative Wege zum Businesserfolg und ermöglichen es, neue Personengruppen anzusprechen, die über normale Netzwerke nie erreicht werden können. Interne Strukturen eines »Enterprise 2.0«, wie Funktionen, Workflow oder Informationsmanagement, sind nicht von vornherein festgelegt, sondern können von den Usern bzw. Mitarbeitern modifiziert werden. Will ein Unternehmen zum Enterprise 2.0 werden, muss es grundlegende Änderungen in der Firmenkultur vornehmen, so McAfee, der in den nächsten Jahren noch sehr viel mehr Innovationen kommen sieht.

EXABYTES UND ZETTABYTES: DIE DATENFLUT
Bret Swanson, Autor des Bestsellers »The Coming Exaflood« und Vorsitzender der Progress & Freedom Foundation, gab einen eindrucksvollen Einblick in seine Berechnungen über die bedrohliche Datenflut im Internet. Wir befinden uns in der Phase drei der Internet-Evolution, in der aktuelle technische Entwicklungen und neue Datenformen zu einem exorbitanten Anstieg des globalen Datenvolumens führen. Derzeit sorgen Anwendungen, wie Youtube, IPTV, Bilder in High Definition oder alle weltweiten Conference Calls zusammen, für eine jährliche globale Datenmenge von einem Exabyte oder 10 hoch 18 Bytes. In Zukunft werden aufsehenerregende, photorealistische, interaktive, Real-Time-3D Videospiele und gänzlich computeranimierte Kinofilme in Ultra High Definition dafür sorgen, dass bis 2015 der Datenverkehr auf ein Zettabyte oder 10 hoch 21 Byte (1 + 21 Nullen) anschwillt.

BEST PRACTICE UND GARTNER PANEL
Aufsehenerregende Case Studies zukunftsweisender Unternehmen, darunter Wikipedia, Apple (iPhone SDK), Salesforce, BMW, T-Mobile, Fabasoft und Cisco wurden von führenden Persönlichkeiten präsentiert. Im prominent besetzten Gartner-Panel, benannt nach dem weltweit führenden IT-Entwicklungs- und Beratungs-Unternehmen, diskutierten unter anderen McDonald’s Vizepräsident und CIO Europe & MEA Frank Ellermeyer, Voestalpine IT-Stratege Rudolf Schütz, sowie Raiffeisen Informatik CEO Hartmut Müller über weitreichende zukünftige Veränderungen von Arbeit und Wirtschaft durch technologische Innovationen.

Helmut Fallmann, Vorstand des Linzer Software-Konzerns Fabasoft, der gemeinsam mit der Fachhochschule Krems »talk the future« möglich machte: »Wir alle erleben die umfassenden Veränderungen im Wirtschaftsleben: Globalisierung, Beschleunigung, neue Formen der Wertschöpfung im Rahmen virtueller sozialer Netzwerke. Bei ‘talk the future’ wurde viel über die Zukunft von Arbeit und Business geredet. Jetzt heißt es für uns alle, diese aufregenden neuen Erkenntnisse, Ideen und Anregungen in die Praxis umzusetzen bzw. die, im eigenen Unternehmen bereits bestehenden Web-2.0-Tools weiterzuentwickeln. Wir gehen hoch motiviert nach Hause und freuen uns schon jetzt auf ‘talk the future’ 2009.«

PRAXISBEISPIELE
Heinz Boyer, Geschäftsführer der IMC Fachhochschule Krems, hob neben den inspirierenden Impulsreferaten und hochkarätigen Podiumsdiskussionen die exklusiven Workshops von Apple, Wikipedia und BMW hervor. »Hier konnte man aus erster Hand erfahren, wie Unternehmen Web-2.0-Technologien zum eigenen Vorteil nutzen können und welche Innovationen gewinnbringend umsetzbar sind.«

Die im Audimax präsentierten Web- 2.0-Tools und Social-Networking-Anwendungen, die im Businessalltag immer mehr Beachtung finden, wurden vom Publikum gleich in die Praxis umgesetzt. Nicht nur Don Tapscott, auch einige Teilnehmer stellten noch während des Kongresses Fotos und Kommentare zu »talk the future« in ihren persönlichen Blogs und Wikis online.

SOCIAL NETWORKING BEI WINE UND DINE
Am Freitag abend wurde die Kremser Minoritenkirche in eine einzigartige Gala-Location verwandelt. Die Gäste genossen ein fünfgängiges Gala-Dinner aus regionalen Köstlichkeiten, die von Top-Weinen begleitet wurden.

Der niederösterreichische Weinbaupräsident Franz Backknecht persönlich präsentierte die erlesenen weißen und roten Traubensäfte Grüner Veltliner und Riesling sowie Roter Veltliner und St. Laurent von regionalen Top-Winzern.

Natürlich wurde auch Social Networking der Zukunft betrieben. Zwischen Tafelspitzsülzchen,  Rinderfiletroulade auf Pilzragout und Kaiserschmarrn wurden nicht nur edelste Weine aus der Region verkostet, sondern auch Blog-Urls ausgetauscht und neue »Friends« in Facebook geaddet.

Online-Artikel und mehr Informationen auf computerwelt.at

03
Dec

Wikipedia ist das Rote Kreuz für Wissen im Netz

Aus meinem NEWS Archive: 16. July 2009

Jimmy Wales, Gründer der freien Internet-Enzyklopädie Wikipedia, analysiert die Gründe seines Erfolgs, spricht über die weiteren Ziele und ortet das größte Wachstumspotenzial in den Entwicklungsländern.

WirtschaftsBlatt: Wikipedia ist eine freie Enzyklopädie im Internet, bei der jeder mitarbeiten kann. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Jimmy Wales: Vor Wikipedia gab es ein Vorgängerprojekt. Nupedia war ebenfalls eine freie Enzyklopädie, allerdings mit einer sehr hierarchischen Struktur und hohen Einstiegshürden. Dieser akademische Ansatz scheiterte. Schließlich hat mein Mitarbeiter Larry Sanger in der Wiki-Software ein einfacheres System gefunden, um zahlreiche Menschen eine Enzyklopädie schreiben zu lassen. Das Konzept war sehr schnell erfolgreich.

Sie haben Finanzwissenschaften studiert und als Broker gearbeitet. Warum haben Sie ein erfolgreiches Internet-Projekt einer Non-Profit-Gruppe übergeben?

Das war mitten im Dotcom-Crash. Die Wikipedia ist das Rote Kreuz für Wissen und sollte daher nicht auf Gewinn ausgerichtet sein.

Die erfolgreichsten Internet-Projekte haben nie Werbung gemacht?

Es ist heutzutage relativ leicht, sehr große Marken über Mundpropaganda aufzubauen, weil wir in einem Zeitalter leben, in dem jeder mit jedem kommuniziert. Wikipedia ist erfolgreich, weil jeder das Konzept versteht, gut findet und weitererzählt. Bei Google ist es genau dasselbe.

Wenn man einen Begriff googelt, ist meist eines der ersten Ergebnisse von Wikipedia. Ist Google wichtig für den Erfolg der Wikipedia?

Google ist für jeden wichtig, weil sie eine absolut marktbeherrschende Stellung im Bereich der Internet-Suche haben.

Warum greifen Sie Google mit Ihrer eigenen Suchmaschine “Wikia Search” an?

Ich bin ein Verfechter des freien Wettbewerbs und ich glaube an das Konzept der Offenheit. Die Internet-Suche war bisher viel zu verschlossen und niemand weiß genau, wie sie funktioniert. Suchmaschinen müssen offen sein, damit Menschen die Ergebnisse beurteilen, kommentieren und ändern können.

Open Source-Software steht jedem frei zur Verfügung. Wie kann man mit etwas, das nichts kostet, Geld machen?

In diesem Bereich gibt es jede Menge erfolgreiche Geschäftsmodelle. MySQL stellt etwa eine freie Software zur Verfügung und macht Geld durch Support-Verträge. IBM verkauft Hardware, die mit freier Software läuft. Firefox finanziert sich über Werbeanzeigen von Google (genauso wie Wikia Search, Anm.).

Aus dem Bereich der Open Source-Software kommt auch jene zentrale Idee der Wikipedia, dass eine große Masse an Autoren jeden Fehler aufspürt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Prinzip auf die Textproduktion anzuwenden?

Offenheit ist in der Softwareentwicklung sehr wertvoll. Wenn in einer Software ein Fehler auftritt, kann man sich als normaler Anwender meist nur beschweren. Als Programmierer könnte man den Fehler aber sofort beheben. Das geht natürlich nur, wenn die Software für den Programmierer frei zugänglich ist. Bei Texten ist das noch viel einfacher, weil es wesentlich mehr gute Autoren als Programmierer gibt.

Was müsste ein Internet-Startup haben, damit Sie investieren würden?

Ich würde am meisten darauf achten, dass die Idee nicht nur für mich alleine interessant ist, sondern dass ich auch sofort jedem davon erzählen will.

Was genau könnte das sein?

Zum Beispiel Dopplr.com. Das ist eine Plattform, auf der man seine Reisepläne und Routen mit anderen Nutzern teilen kann. Dopplr ist eine gute Möglichkeit, auf der ganzen Welt Menschen zu treffen, wenn man viel unterwegs ist. Das Problem ist, dass das nur für einen ganz kleinen Teil der Menschen interessant ist. Aber der Punkt ist, dass Dopplr für mich nützlich ist und dass ich sofort allen Freunden davon erzählt habe.

Wikipedia gibt es zurzeit in mehr als 250 Sprachen. Warum gibt es zum Beispiel in weit verbreiteten Sprachen wie Spanisch weniger Einträge als etwa in der polnischen Wikipedia?

Die Polen sind einfach schlauer und sehen besser aus [lacht]. Ganz generell gibt es einige Faktoren, die den Umfang maßgeblich beeinflussen. Die Verbreitung der Sprache, die Breitband-Marktdurchdringung und die Zahl der Englisch sprechenden Menschen in einem Land. Zum Teil haben diese Menschen schon zuvor die englischsprachige Wikipedia benutzt und sind generell Internet-affiner. Die Deutschen sprechen zum Beispiel besser Englisch als die Franzosen, deshalb ist die deutsche Wikipedia größer. Ein weiterer Faktor scheint das Wetter zu sein. So haben etwa die Schweden und die Finnen gemessen an der Einwohnerzahl relativ große Wikipedias.

In China war Wikipedia für drei Jahre gesperrt. Dennoch ist sie mittlerweile eine der umfangreichsten Versionen.

Die chinesische Wikipedia hat etwa 200.000 Einträge und ist die elft- oder zwölftgrößte Wikipedia. Aber im Vergleich zu der Anzahl an chinesisch sprechenden Menschen, ist das klein. China hat ein starkes Wachstumspotenzial. Derzeit ist es die zweitgrößte Internetnation und bald wird es die größte sein. Zurzeit sind wir Nummer 59 der meistbesuchten Webseiten in China, aber wir werden der chinesischen Wikipedia nun etwas mehr Aufmerksamkeit widmen, um rascher zu wachsen.

Sie haben Breitband-Internet als Faktor für die Internet-Nutzung erwähnt. In Österreich nutzen nur 46 Prozent diese Art des Internet-Zugangs. Wie könnte man das ändern?

Vielleicht ist es zu warm in Österreich [lacht]. Grundsätzlich bin ich ein Verfechter des freien Marktes und habe nur wenig übrig für Subventionierungsmaßnahmen durch Regierungen. Andererseits können Regierungen durch bestimmte Dienste die Internetnutzung steigen. Zum Beispiel durch eine Online-Steuererklärung.

Was ist Ihrer Ansicht nach die wichtigste Zukunftsressource?

Die wichtigste Ressource war schon immer der menschliche Verstand. Der einzige Weg, die Probleme der Welt zu lösen, sind gute Ideen. Bildung ist also besonders wichtig.

Und das Internet ist wichtig, um Wissen zu verbreiten?

Ja, das Wichtigste am Internet ist seine unhierarchische Struktur. Dadurch hat es ein ganz anderes Potenzial als etwa klassische Nachrichten-Medien, die auf Industrienationen wie die USA, Europa oder Japan fixiert sind. Das größte Wachstumspotenzial hat das Internet in China, Indien, Afrika und Südamerika. Wenn alle diese Menschen aus den Entwicklungsländern künftig online gehen, können sie plötzlich direkt mit uns kommunizieren. Die Kosten im Telekommunikationsbereich werden in den kommenden Jahren so stark sinken, dass uns hungernde Menschen aus Afrika anrufen, um sich zu beschweren. Stellen Sie sich vor, das Telefon klingelt und Sie hören “Hallo, ich bin Äthiopier und ich bin hungrig”. Ich meine das natürlich nicht ernst, aber solche Szenarien würden es uns erschweren, nicht hinzusehen.

Das Projekt “One Laptop per Child” versucht Menschen in Entwicklungsländern mit Notebooks zu versorgen, um ihnen den Zugang zum Internet zu erleichtern. Sind Sie ein Fan von diesem Projekt?

Ich mag zwar die Idee, aber ich glaube, dass das die falsche Technologie ist. Ich finde es nicht gut, wenn Regierungen in armen Ländern Geld für Notebooks ausgeben. In den meisten dieser Länder gibt es ausschließlich Privatschulen, die zwischen zwei und vier Dollar pro Monat kosten. Mit 100 Dollar (der Preis eines “One Laptop per Child”-Notebooks, Anm.) könnte man also eine fünfjährige Schulausbildung finanzieren.

(Das Interview führte Sara Gross “Die Presse”)

Online-Artikel und mehr Informationen auf wirtschaftsblatt.at

30
Nov

Praktikanten-Bericht erschüttert Londoner Bankenszene

Aus meinem NEWS Archiv:

“Twitter hat bald ausgezwitschert”

Der aufsehenerregende Bericht eines Londoner Schülers zur Mediennutzung von Jugendlichen stellt einige Einschätzungen professioneller Analysten auf den Kopf.

Wien (mar). Für Unternehmen zahlt es sich aus, Praktikanten zu beschäftigen. Sie bringen in der Regel gehörigen Respekt vor dem Arbeitgeber mit, sammeln Punkte für den Lebenslauf und verrichten Handlangerdienste, für eine Handvoll Euro oder völlig umsonst. Nur noch selten kommt es vor, dass ein Praktikum in eine Beschäftigung übergeht. Noch viel seltener ist es aber, dass die Arbeitsergebnisse eines Praktikanten über den jeweiligen Einsatzbereich hinaus Wellen schlagen – oder sogar internationale Aufmerksamkeit erlangen. Die Rede ist diesmal nicht von der berühmtesten Praktikantin der Welt, nach deren Beschäftigung im Weißen Haus US-Präsident Bill Clinton 1999 am Rande des Rücktritts stand. Sondern von einem englischen Teenager, der gerade Erfahrungen bei der Londoner Niederlassung der US-Bank Morgan Stanley sammelt.

Ein Bericht erschüttert die „City“

Der 15-jährige Matthew Robson sollte probeweise einen kurzen Analystenbericht schreiben. Niemand hat erwartet, was dabei herauskam: Der Report beinhalte „einige der klarsten und aufrüttelndsten Ansichten, die uns bisher begegnet sind“, kommentiert Edward Hill-Wood, Analyst bei Morgan Stanley: „Also haben wir sie veröffentlicht.“

Daraufhin sorgte der Text für eine Resonanz, mit der ebenfalls niemand gerechnet hatte. Die „Financial Times“ (FT) brachte ihn am Montag auf der Titelseite, das Interesse unter Medienmanagern und Investoren ist riesig. „Wir haben viele Dutzend Fondsmanager und Geschäftsführer, die uns nun täglich anrufen“, wird Hill-Wood in der „FT“ zitiert. Dann gibt er zu, dass das Feedback, das der Text des Schülers bekommt, fünf bis sechs Mal größer sei als bei den „üblichen“ Berichten von Morgan Stanley. Der „Guardian“ meldet, dass der Report die „City“, das Londoner Bankenviertel, erschüttert – und ganz nebenbei auch die Arbeit der professionellen Analysten desavouiert.

Im Mittelpunkt des Textes steht die Mediennutzung junger Menschen, was wiederum Rückschlüsse auf die Geschäftsaussichten einzelner Medien erlauben soll. Anders als bei klassischen Marktanalysen üblich, werden die umfangreichen Statistiken der Jugendforschung links liegen gelassen. Matthew Robson bekam schlicht die Aufgabe, die Mediennutzung seiner Freunde zu beschreiben. Zum Teil bestätigen seine Aussagen allgemein bekannte Trends – und zum Teil stehen sie im direkten Widerspruch dazu.

So bestätigt Robson, dass sich junge Zielgruppen von den klassischen Medien – Print, Radio, Fernsehen – abwenden und stattdessen auf elektronische Medien setzen. Kaum noch jemand höre regelmäßig Radio: Musik als wichtigste Nutzungsmotivation gebe es auch per Livestream, im Internet lasse sich die Abfolge der Lieder individuell und werbefrei zusammenstellen. Dasselbe gelte auch für das Fernsehen – zwar seien Fußball, bestimmte Shows und Serien nach wie vor beliebt, aber die individuelle Filmauswahl per DVD oder das zeitunabhängige Herauspicken einzelner Programmbestandteile als Podcasts gewinne ständig an Reichweiten. Auch gedruckte Medien kommen nicht gut weg: Teenager seien nicht bereit, große Zeitungen zu lesen und vor allem zu bezahlen, schreibt Robson.

Aber vor allem im Hinblick auf die elektronischen Medien stehen die Beobachtungen des 15-Jährigen im direkten Widerspruch zu den gängigen Meinungen des Marktes. Am schlechtesten kommt Twitter weg – ein Portal für persönliche Kurzmitteilungen, das lange als der neue große Trendsetter gegolten hat. Das Fazit von Robson ist vernichtend: „Teenager nutzen Twitter nicht.“ Es sei für sie einfach zu teuer und nutzlos, per Handy ihr Profil zu pflegen, da es sowieso niemand betrachte. Dagegen seien sie gerne bereit, Geld für Videokonsolen, Kino und Konzerte auszugeben.

Eine Frage bleibt offen: Wer soll die kostspieligen, aber umsonst vertriebenen Inhalte finanzieren? Der Bericht macht deutlich, dass Jugendliche bezahlte Inhalte vehement ablehnen. Und für Werbung als das zweite Finanzierungsmodell haben sie – in klassischen Medien, und noch mehr im Internet – ebenfalls nur Verachtung übrig.

Online-Artikel und mehr Informationen auf diepresse.com

23
Nov

Facebook & Co: Könige im Netz, Bettler im Markt

Aus meinem NEWS Archiv:

Netzwerke bieten hunderten Millionen Menschen eine virtuelle Heimat. Aber statt Goldgruben sind sie ein höchst reales Verlustgeschäft. Ein paradoxer Drahtseilakt zwischen Weltherrschaft und Bankrott.

Vielleicht sehnen sie sich in stillen Momenten an ihre Anfänge zurück, die Herren Anderson und Zuckerberg. An die Zeit, als da nur eine kleine Idee war und kein paradoxer Drahtseilakt zwischen Weltherrschaft und Bankrott.

Vor sechs Jahren wollte der junge Programmierer Tom Anderson seine Lieblingsbands mit ihren Fans zusammenbringen. Jeder Musiker bekam seinen Platz im Netz – MySpace – um sich zu präsentieren und Fanpost zu empfangen. Ein Jahr später machte sich der Harvard-Student Mark Zuckerberg daran, seine Kommilitonen zu vernetzen. Erstsemestrige sollten es leichter haben, sich zu orientieren und Freunde zu gewinnen – was auch der Sinn der „Facebooks“ war, Broschüren mit Fotos der Studenten, die auf dem Campus verteilt wurden.

Die Idee eroberte die Welt. Heute versammeln sich hunderte Millionen Menschen im Web 2.0, um mit echten Freunden zu plaudern, virtuelle zu sammeln und sich selbst in Wort und Bild zu inszenieren. Risikokapitalgeber, die in dem Massenphänomen ein hoch lukratives Geschäft witterten, bissen an. Die Softwareplatzhirsche mischten sich ein, der Geldhahn öffnete sich weit. Aus den Mini-Anteilen, die Microsoft und der russische Investor Sky Technologies am Marktführer Facebook erwarben, ergibt sich ein hochgerechneter Wert von zehn bis 15 Mrd. Dollar – für ein Unternehmen, das bisher nur Verluste geschrieben hat. Welche Saat soll hier aufgehen?

Zwar kostet es nichts, sich ein Profil zu erstellen, aber – so das Kalkül – das wird doch nur der Anfang sein. Wie bei so vielen Webseiten mit Suchtpotenzial könnte man doch bald für bestimmte Premiumleistungen einen Aufpreis verlangen. Diesen Schritt aber hat noch keines der großen Netzwerke gewagt. Eine Plattform zu nutzen, die Freunde vermittelt, ist eine tolle Sache, aber wenn der Anbieter dafür Geld fordert, hört sich die Freundschaft auf. Nur ein paar Klicks braucht es, um zu einem anderen Netzwerk zu wechseln und die Freunde gleich mitzunehmen.

Ein Aufpreis für Premiumleistungen funktioniert nur bei spezialisierten Netzwerken wie dem deutschen Xing oder dem US-Pendant Likedin, über die sich Geschäftskontakte anbahnen lassen. Hier hat die Freundschaft einen monetären Wert, und der Nutzer ist bereit, für ihre Vermittlung zu zahlen. Solche Nischenanbieter sind auch die Einzigen, die Gewinne schreiben.

Ein Bann gegen Banner. Der klassische Weg, die Popularität einer Seite in klingende Münze zu verwandeln, ist die Bannerwerbung. Sie ist umso erfolgreicher, je besser sie zu den Interessen des Nutzers passt. Google spielt diese Klaviatur virtuos: Der Nutzer startet eine Suchanfrage, etwa für „Santorin“, und erhält, zusätzlich zur Linkliste, Last-Minute-Angebote für dieses Reiseziel.

Für zielgerichtete Werbung hätten soziale Netzwerke im Prinzip sogar bessere Voraussetzungen als Suchmaschinen. Statt ein isoliertes momentanes Interesse zu bekunden, serviert der Nutzer mit seinem selbsterstellten Profil wie auf dem Silbertablett seine gesamte Bedürfnispyramide – vom Lieblingsgericht über das Freizeitverhalten bis zu sexuellen Vorlieben.

Die Sache hat nur einen Haken: Wer in einem Profil seine Persönlichkeit preisgibt, fühlt sich als Hausherr seiner eigenen Seite. In dieser virtuellen Privatsphäre will man Freundschaft und Freizeit zelebrieren, aber nicht von Werbung belästigt werden. So haben sich Nutzer sozialer Netzwerke lange gegen Banner gewehrt. Wo sie durchgesetzt wurden, sind die Klickraten enttäuschend. Auch subtilere Empfehlungswerbung, die perfekt zu einem Freundschaftsnetzwerk zu passen scheint, setzt sich kaum durch.

Dennoch sind sich Werber, Soziologen und Geheimdienste einig, dass die Netzwerker auf einem ungehobenen Schatz sitzen: dem „sozialen Graphen“ ihrer Nutzer, der das Beziehungsgeflecht einer Gemeinschaft abbildet und nutzbar macht. Wer tauscht sich mit wem aus, welche Gruppen formieren sich, welche Trends entstehen: Nie standen diese Informationen so rasch und einfach zur Verfügung.

So kamen die „General Interest“-Netzwerke auf die Idee, ihre Daten anderen Seitenbetreibern anzubieten. Sie können nun, etwa auf der „Facebook Platform“, eigene Applikationen einbauen und mit Erlaubnis der User auf deren Daten zugreifen. Umgekehrt können Nutzer mit „Facebook Connect“ ihre Daten auf anderen Seiten verwenden, ohne sich dort registrieren zu müssen. Ihre wertvolle Kontaktliste liefern sie gleich mit. So verwandeln sich Netzwerke in Anbieter von Infrastruktur und Personendaten – vorerst kostenlos.

Doch die Zweifel sind groß, ob sich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln lässt. Denn die Nutzer lassen ihre Daten nicht zu Markte tragen. Als sich Facebook im Februar in die Geschäftsbedingungen schrieb, dass es ihre Daten auch nach Löschung des Profils unbegrenzt nutzen darf, regte sich heftiger Widerstand. Die Nutzer wurden zur Abstimmung gebeten. Das Ergebnis: Ihre Informationen bleiben ihr Besitz.

Speicherkosten steigen. Vor allem aber würde auch mit einem Verkauf von Daten die heiße Kartoffel nur weitergereicht. Am Ende der Kette muss die Information zu Geld gemacht werden, sonst bricht das Geschäftsmodell in sich zusammen. Doch alle Seitenbetreiber haben es mit den gleichen renitenten Nutzern zu tun. Eine stille Revolution: Eine Generation von Internetnutzern verweigert sich der Vermarktung ihrer Freizeit.

Überschaubare 280 Mio. Dollar soll Facebook im Vorjahr umgesetzt haben. Dem gegenüber stehen deutlich höhere Kosten, die der Fachblog TechChrunch recherchiert hat. Größter Brocken sind nicht die 850 Mitarbeiter, sondern Anschaffungskosten für neue Server und Speicherkapazität – pro Woche drei Millionen Dollar, Tendenz stark steigend. Denn die Facebook-Gemeinde explodiert. Der frühere US-Marktführer MySpace fällt klar zurück und hat vergangene Woche ein Drittel seiner Mitarbeiter abgebaut. Die Branche ist sich einig: Er hat den Fehler gemacht, zu früh auf Umsatz zu setzen, statt mit allen Mitteln Nutzer zu gewinnen.

Daraus zieht auch die deutsche Nummer eins ihre Lehren: StudiVZ mit den Erweiterungen SchülerVZ und MeinVZ verteidigt sich als regionaler David erfolgreich gegen den globalen Goliath Facebook – und hält zugleich den Verlag Holtzbrinck als Investor bei Laune, trotz geschätzten 13 Mio. Euro Verlust im Vorjahr. Dass Facebook weltweit das Rennen macht, ist nicht ausgemacht. Alles bleibt in Bewegung.

Nicht nur Spatzen zwitschern es von den Dächern: Der Schnellnachrichtendienst Twitter, den noch vor Monaten nur wenige kannten, ist das neue große Ding. Von Umsätzen oder einem Geschäftsmodell ist dort keine Rede. Rasch wachsen, nur nicht weichen, heißt auch seine Devise. Am Ende mag ein einziges Netzwerk übrig bleiben, mit einem riesigen „sozialen Graphen“, der seinem Besitzer Macht verleiht. The winner takes it all? Selbst der Sieger könnte ein König mit leeren Taschen bleiben – und einem Imperium, das mangels Gewinne implodiert.

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 21.06.2009)

Online-Artikel und mehr Informationen auf diepresse.com

19
Nov

Impfen schützt auch andere

Aus meinem NEWS Archiv:

ImpfenSchuetztAlle