Archive for July, 2009

28
Jul

Open-Air-Kinos: Boom trotz Regens

Bei Schlechtwetter jammern die Sommerkinos – normalerweise. Doch nun, nach den regenreichsten Juniwochen seit 50 Jahren, ist alles anders: Open-Air-Kinos boomen; herkömmliche Kinos verzeichnen Rekorde.

WIEN. Der Juni 2009 geht als regenreichster Monat seit 50 Jahren in die Wettergeschichte Österreichs ein. Der Juli setzt dieses Phänomen zumindest teilweise fort. Und mitten in diesem Wetterchaos leiden die Sommerkinos – oder?

„Es ist sensationell gegangen“, überrascht Ralph Wieser, Geschäftsführer des „Kinos unter Sternen“ auf dem Karlsplatz: „Wir hatten 16.000 Zuseher in drei Wochen.“ Und die Unwetter? „Natürlich haben wir den Regen gemerkt. Aber es ist überraschend, wie viele Leute trotzdem kommen.“

Im Augartenspitz kämpft Ernst Kieninger (Filmarchiv) nicht nur gegen das Wetter, sondern auch mit Turbulenzen wegen der geplante Sängerknaben-Konzerthalle, inklusive Protestaktionen und Parkbesetzung: „Wir haben trotzdem ein leichtes Plus“, meint Kieninger zufrieden, der diesen Effekt einer Neuerung zuschreibt: Biogastronomie mit Slow Food. „Wir haben jeden Tag einen vollen Gastgarten, und das ist günstig für das Kino.“

Schlechtwetter? Kein Problem

Gibt es nicht ein einziges Open-Air-Kino, das wegen des Wetters jammert? „An den Schlechtwettertagen hatten wir massive Einbrüche“, meint Franz Kascha, Betreiber des Open-Air-Kinos im Schloss Neugebäude. Nachsatz: „Aber die schönen Tage werden dafür intensiver genutzt.“ Das Ergebnis: plus 15 Prozent bei den Besucherzahlen im Schloss Neugebäude. Ein Grund: Viele Kinosofas sind überdacht; so wie in der Arena, wo das Sommerkino, das heuer sein 15-Jahr-Jubiläum feiert, am 9.August beginnt. Dort heißt es: „Wir spielen bei jedem Wetter.“

Das gilt auch für das Filmfestival auf dem Rathausplatz, wo die Gäste bei strömendem Regen unter das Zeltdach über den Gastronomieständen flüchten, um nach dem Ende der Regenfälle wieder vor der Leinwand zu sitzen. Die Halbzeitbilanz: 310.000Besucher, das sind 40.000 mehr als im Vorjahr. Und auch im Autokinocenter Wien bei Groß Enzersdorf lassen die Regenfälle Franz Lampesberger kalt: Der Betrieb laufe gut, meint der Chef. Während andere Open-Air-Kinos mit Biogastronomie und besonderem Flair punkten, hat Lampesberger auf 700 Parkplätzen eine andere „Attraktion“: Man sitzt gemütlich im Auto, kann Hunde und schreiende Babys mitnehmen und im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Kino „sogar rauchen“, wie Lampesberger meint.

Rekord für Megakinos

Boomen die Sommerkinos, leiden die traditionellen Wiener Kinos. Heuer, im Jahr des Regens, wird auch mit dieser Tradition aufgeräumt: „Dieses Halbjahr und auch der Sommer sind sehr gut verlaufen“, stellt Constantin-Geschäftsführer Christof Papousek zufrieden fest. Der verregnete Juli werde für Constantin einen neuen Umsatz- und Besucherrekord bringen, so Papousek: „Wir rechnen mit über 1,7Millionen Besuchern. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir ein Plus von etwa 17,5Prozent.“ Kurz: Das Wetter ist zu schlecht für zahlreiche Freizeitaktivitäten; immer mehr Wiener gehen ins überdachte Kino – wenn sie sich den Sommer nicht mit Zwang im Open-Air-Kino zurückholen. Diese Trends ziehen sich weiter durch die Branche: Für Christian Dörfler (Geschäftsführer des Haydn-Kinos) läuft es „extrem gut“; auch Richard Lugner spricht von einem Umsatzplus von 32 Prozent für das Kino in der Lugner City im heurigen Juli (im Vergleich zum Vorjahres-Juli). Der Grund für den Kinoaufschwung in der Lugner City? Viele Schulklassen würden aus den Bundesländern nach Wien kommen und dann das Kino besuchen, erklärt der Baumeister. Auslöser? „Der Lugner-Effekt“, meint Lugner selbstbewusst: „Die Schüler kommen auch, weil sie hoffen, mich zu sehen.“

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 28.07.2009)


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28
Jul

Bewegte Kinolandschaft

Aufrüsten in den Bezirken und unter freiem Himmel.

GRAZ/KLAGENFURT.Am 15.Juli fiel die letzte Klappe. Mit „Harry Potter“ in der englischen Originalversion verabschiedete sich das „Royal English Cinema“ in der Grazer Conrad-von-Hötzendorf-Straße aus der Kinolandschaft der steirischen Landeshauptstadt.

Das traditionsreiche Lichtspieltheater war in den vergangenen Jahren von der Constantin-Gruppe als Spezialkino für Filme in Originalsprache geführt worden. Darauf müssen Grazer Cineasten aber auch in Zukunft nicht verzichten. Ab Mitte September wird es als „KIZ Royalkino“ weitergeführt – betrieben vom Hausherrn des ehemaligen Augartenkinos, Nikos Grigoriadis. An dessen bisherigem (bis 31.August) und namengebendem Standort im Augarten wird nämlich ein Büro- und Wohnkomplex entstehen. In den Plänen war da für ein Kino kein Platz mehr, was kurzfristig zu einem Gerichtsstreit samt Räumungsklage und einer hektischen Suche nach einer neuen Adresse für das als Programmkino geführte KIZ gesorgt hatte.

Die Constantin-Gruppe setzt indes auf IMAX-Technologie: Wie in Wien wurde Ende Juni ein Saal im Cineplexx Graz mit dieser Projektionstechnologie aufgerüstet.

„Augenauswischerei“

Ganz neu und exklusiv ist das mehrdimensionale Kinospektakel in der Steiermark jedoch nicht. So steht im „Ökopark“ am Stadtrand der oststeirischen Bezirkshauptstadt Hartberg seit bald einem Jahr ein eigener kleiner (100 Sitzplätze) 3-D-Saal – gleich neben dem alten IMAX-Kino aus Wien. Vor fünf Jahren übernahmen die Oststeirer die Anlage, die in Wien gefloppt hatte. Da man kein Franchisenehmer des offiziellen IMAX-Vertriebs ist, nennt man sich allerdings „Maxoom“. Der optische Effekt (2-D mit gebogener Leinwand) ist derselbe, noch dazu wirbt man in Hartberg mit der mit 400 Quadratmetern einzigen Großformatleinwand Österreichs. „Das, was Wien und Graz mit ihren knapp 150 Quadratmetern bieten, ist ein bisserl eine Augenauswischerei“, kann man sich in der Oststeiermark einen hämischen Kommentar nicht verkneifen.

Im engeren Einzugsgebiet des „Maxoom“, gleich hinter der steirisch-burgenländischen Grenze, hat Ende vergangenen Jahres in einem Einkaufszentrum in Oberwart die unter anderem bereits in Leibnitz und Gleisdorf vertretene Dieselkino-Kette einen neuen Standort eröffnet. Der größte Kinotempel des Burgenlands bietet in fünf Sälen 800 Besuchern Platz.

Auch in Liezen in der Obersteiermark ist seit Anfang November ein Großkino am Stadtrand geöffnet. Anders als üblich hungerte ein externer Großinvestor aber nicht den lokalen Kleinbetrieb aus: Die 6,6 Millionen-Euro-Investition (fünf Säle, 710 Sitzplätze) wird von der eingesessenen Liezener Kinobetreiberfamilie Dirninger gemeinsam mit der oberösterreichischen Star-Movie-Gruppe betrieben.

In Klagenfurt hat dieser Tage dagegen der Freiluft-Kinosommer begonnen. Bis 19.August werden im Burghof im Zentrum von Klagenfurt außer aktuellen Streifen unter anderem auch Stummfilme mit Liveorchester gezeigt. Vergangenes Jahr hatte man mehr als 5000 Besucher.

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 28.07.2009)

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16
Jul

Onlinewerbung: “Kreativ bankrott”

Lars Bastholm (Ogilvy, USA) kommt zum Digital-Marketing-Kongress “Summit 09″ nach Wien. Seine Prognose: “Alles wird über mobile Geräte laufen.”


Die Presse: Sie waren heuer Präsident der Jury der Cyber Lions in Cannes. Was hat auf Sie den größten Eindruck gemacht?

Lars Bastholm: Am meisten hat mich beeindruckt, wie die Kategorie Cyber in immer neue Bereiche expandiert. Am Ende musste die Cyber-Jury alle Aspekte des Marketing – von Außenwerbung bis Film, von Public Relations bis Direktmarketing – diskutieren.

Welche Kampagnen hat die Jury mit einem Cyber-Löwen ausgezeichnet und warum?

Bastholm: Wir haben drei Grand Prix überreicht – das zeigt auch, wie mannigfaltig diese Kategorie ist. Ein Preis ging an „The Best Job in the World“, eine brillante, vornehmlich User-generierte Kampagne für die Tourismusbehörde Queensland. Ein anderer an Fiat „Eco: Drive“, ein Tool, mit dem Autofahrer ihr Fahrgeschick steigern können – zum Wohle der Umwelt. Und einer ging an „Why So Serious“, ein interaktives Reality-Game zum Batman-Film „The Dark Knight“. Alle drei Preisträger repräsentieren sehr unterschiedliche Aspekte der Cyber-Kategorie und zeigen, wie sich die Agenturen in die verschiedensten Richtungen entfalten, weg von traditionellen Werbeformen.

Hat die Wirtschaftskrise Auswirkungen auf die Qualität der Arbeiten?

Bastholm: Kreativität hat noch nie etwas mit Geld zu tun gehabt. Wenn eine Idee stark ist, kann sie auf verschiedenen monetären Levels ausgeführt werden. Oft wird eine Menge Geld in eine halb ausgebackene Idee verschleudert, in der Hoffnung, dass eine schöne Ausführung die Schwächen übertüncht. Das gibt es nicht mehr. Und es hat sich immer wieder gezeigt, dass Kreativität zu besseren Verkaufszahlen führt.

Da die Werbebudgets sinken, wird der Verdrängungswettbewerb zwischen den Mediengattungen größer. Wer wird gewinnen?

Bastholm: Letztendlich wird alles über mobile Geräte laufen. Das iPhone ist nur der Anfang dieser Revolution. Derzeit sind die Möglichkeiten, was man auf mobilem Wege machen kann, noch beschränkt. Aber in fünf bis zehn Jahren wird sich das geändert haben. Dann werden wir es sonderbar finden, dass wir einst an einen Schreibtisch gefesselt waren und ein Gerät an die Wand anstecken mussten, um ins Internet zu gehen. Das Geld folgt den Leuten und dem, wie sie mit den Medien umgehen. Nach dieser Logik werden mobile Anwendungen möglicherweise eine Goldmine sein. Aber es ist noch nicht so weit.

Werbung auf sozialen Plattformen ist eine heikle Sache. Gibt’s gute Beispiele?

Bastholm: Ich denke, ich habe nur ein einziges Mal ein wirklich gutes Beispiel gesehen – und das war Whopper Sacrifice, das wir mit einem Gold-Löwen ausgezeichnet haben. Diese Kampagne basiert auf einem umfassenden Verständnis dafür, wie die Leute Facebook verwenden, und konnte nur in diesem Medium existieren. Die meisten anderen Werbungen auf sozialen Plattformen machen es völlig falsch. Sie sind aufdringlich, lästig und ärgerlich und außerdem im Kontext völlig irrelevant. Vielleicht nächstes Jahr!

Die Vorhersagen für den Werbemarkt sind eher deprimierend. Wo und wie werden wir in – sagen wir: – zehn Jahren werben?

Bastholm: Wenn ich zehn Jahre in die Zukunft schauen könnte, wäre ich reich und berühmt. Leider kann ich das nicht. Aber ich bin ganz sicher, dass alles ganz anders sein wird als heute. Die Werbung wird viel zielgruppenorientierter sein, viel persönlicher und viel weniger ein Massenkommunikationsmittel sein. Das Fernsehen stirbt. Die Printmedien sind im Grunde tot. Die Onlinewerbung ist zum Großteil kreativ bankrott. Das sind spannende Zeiten, in denen alles im Fluss ist, und keiner kann derzeit mehr sagen, als dass wir uns verändern müssen.

07
Jul

TED-MustSee – Hans Rosling shows the best stats you’ve ever seen

About this talk

You’ve never seen data presented like this. With the drama and urgency of a sportscaster, statistics guru Hans Rosling debunks myths about the so-called “developing world.”

About Hans Rosling

As a doctor and researcher, Hans Rosling identified a new paralytic disease induced by hunger in rural Africa. Now the global health professor is looking at the bigger picture, increasing our… Full bio and more links