Archive for October, 2009

26
Oct

Deutschland: „Um die besten Köpfe werben“

Aus meinem NEWS Archiv:

Die Technische Universität München stellt Initiativen für eine Eliteförderung vor. Die besondere Förderung muss schon in den ersten Semestern beginnen.

MÜNCHEN. Eliteprogramm in Deutschland: Victor Fischer und Alexander Wille studieren Maschinenbau an der Technischen Universität München. Beide sind Stipendiaten von Stiftungen für Hochbegabte, und sie sind zugleich zwei von derzeit 220 Teilnehmern an dem TU-Mentorenprogramm „Erfahrene Wege in die Forschung“, das jetzt seine vierjährige Pilotphase abgeschlossen hat. In diesem Programm betreuen erfahrene Professoren – fast alle sind schon emeritiert – hochbegabte Studenten und Studentinnen ihrer Fakultät. Die TU München, eine der ersten deutschen Hochschulen mit der Auszeichnung „Eliteuniversität“, will mit diesem und mit einigen anderen Förderprogrammen gezielt „um die besten Köpfe werben“, so der für diese Programme zuständige TU-Vizepräsident Professor Peter Gritzmann.

Alumni als Mentoren

So gibt es etwa das Programm „TUM“, ein Kontakt-Netzwerk, in dem junge Alumni (Absolventen der TU) ausgewählte Studierende betreuen und auf den Berufseinstieg vorbereiten. Mentor und geförderter Student bilden ein Tandem. An der Carl von Linde-Akademie der TU werden Studierenden in Veranstaltungen über das Fachwissen hinaus Schlüsselkompetenzen vermittelt. Mit dem Programm IKOM wird den Studierenden ein Karriereforum für Kontakte mit Industrie und Wirtschaft angeboten.

Fast alle Teilnehmer an dem Programm „Erfahrene Wege in die Forschung“ sind Stipendiaten verschiedener Stiftungen für Hochbegabte und von ihren Stiftungen für das Programm vorgeschlagen worden. Ein anderer Weg in dieses Programm führt über die Hochschullehrer, die hochbegabte Studierende ihrer Fakultät dafür vorschlagen können. Besonderen Wert legt die TU München darauf, dass die Eliteförderung schon in den ersten Studiensemestern beginnt.

Die Studierenden und ihre Mentoren treffen sich mehrmals im Semester in kleinen Gruppen auf Fakultätsebene. Besprochen werden unter anderem allgemeine und fachliche Fragen. Es gibt Referate über Diplom- und Doktorarbeiten, auch Privates kommt zur Sprache. Ausdrücklich nicht gewünscht ist die fachliche Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten. Zwei Mal im Semester werden in den einzelnen Fakultäten sogenannte persönlichkeitsbildende Seminare mit Vorträgen herausragender Persönlichkeiten angeboten, mit Informationsbesuchen und Gesprächen bei Firmen sowie Institutionen und auch ungewöhnlichen Einblicken. So hat sich eine Gruppe beispielsweise in einem Theater damit beschäftigt, wie ein Theaterstück entsteht.

Die Mentoren unterstützen die Studierenden auch bei der Suche nach und Bewerbung für Studien- und Forschungsaufenthalte sowie Praktika im In- und Ausland. 25 emeritierte Professoren, darunter viele international renommierte, und drei noch voll aktive haben sich ehrenamtlich als Mentoren in den Dienst dieses Programms gestellt. Erfasst werden dadurch 220 solcherart geförderte Hochbegabte, das ist ein Prozent der 22.000 Studierenden der TU München.

Das Programm „Erfahrene Wege in die Forschung“ ist 2005 auf Initiative des Medizinprofessors Paul Gerhardt in Leben gerufen und als Pilotprojekt von der Robert-Bosch-Stiftung mitfinanziert worden. Diese Finanzierung läuft jetzt aus. Eine Fortsetzung ist aber – auch wenn noch nicht alle Details der Weiterfinanzierung geklärt sind – schon sicher.

Die andere Seite: Triste Situation

Die bei einer international besetzten Tagung präsentierten Modelle der TU München wurden deshalb hervorgehoben, weil die Situation an den deutschen Universitäten oft völlig anders aussieht. „Deutschlands Professoren müssen zu viel lehren“, titelte vor kurzem die unabhängige „Deutsche Universitätszeitung – DUZ“. Daher sei die Bundesrepublik bei Top-Forschern international nicht wettbewerbsfähig.

In einem Interview warnt Thomas May, Generalsekretär des deutschen Wissenschaftsrates (Beratungsgremium der Bundesregierung), dass Professoren an den deutschen Universitäten nicht mehr zum Forschen kommen. Sie sind derzeit in der Regel mit acht Semesterwochenstunden belastet. „Mit dem bestehenden Lehrdeputat ist Deutschland international nicht wettbewerbsfähig“, so May.

Gefordert wird jetzt die Senkung auf nur noch fünf Semesterwochenstunden. Noch schlechter sind die Professoren an den Fachhochschulen dran, die im Durchschnitt 18 Semesterwochenstunden im Hörsaal stehen.

Der Wissenschaftsrat spricht sich deshalb für eine „Personalkategorie unterhalb der Professorenebene“ aus. Die Bedeutung der Lehre und der Status derjenigen, die diese an einer Hochschule leisten, müsse entscheidend verbessert werden. Und es müsse auch ein Budget dafür geben.

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 18.05.2009)

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19
Oct

Maria Gugging: Der Sprung zur Spitzenforschung

Aus meinem NEWS Archiv:

Das Vorzeigeinstitut bereitet sich auf seine Eröffnung vor, das Areal des ehemaligen Nervenklinikums ist kaum wieder zu erkennen. 2010 wird ein neues Laborgebäude am Rande des Campus-Teichs fertig gestellt, in sieben Jahren sollen 500 Wissenschaftler beschäftigt sein.

KLOSTERNEUBURG. Thomas Henzinger wirkt irgendwie verlegen. Bei einem Rundgang vor Fotografen und TV-Kameras vermeidet der erste Präsident des Exzellenzinstituts I.S.T. Austria (Institute of Science and Technology) plakative Aussagen. Und noch sind etwa 100 Arbeiter tätig, um die Arbeiten auf dem Campus in Klosterneuburg-Maria Gugging für die feierliche Eröffnung am 2. Juni abzuschließen. Im September wird Henzinger mit seiner ersten Forschergruppe einziehen, bis Ende des Jahres sollen drei weitere ihre Arbeit aufnehmen.

Das Areal des ehemaligen Nervenklinikums ist kaum wieder zu erkennen. Die frühere Hauptstraße wurde verschwenkt, an das alte Hauptgebäude schmiegt sich die neue Lecture Hall. 17 alte Gebäude wurden abgerissen, weitere 15 erstrahlen in neuem Glanz. Und Henzinger verweist auf die nächsten Schritte: 2010 wird ein neues Laborgebäude am Rande des Campus-Teichs fertig gestellt, im Jahresabstand folgen zwei weitere. Hand in Hand geht der wissenschaftliche Aufbau: Vorerst in den Sparten Evaluationsbiologie, Computerwissenschaften und Zellbiologie, im nächsten Jahr Materialwissenschaften, Angewandte Mathematik und voraussichtlich Hirnforschung. Die weiteren Bereiche hängen von den Berufungen ab.

Zu Kooperationen verpflichtet

Die neuen Forscher hofft Henzinger durch ein in Österreich einmaliges Karrieremodell zu rekrutieren: Erstens wird es die auf fünf Jahre bestellten Assistant-Professoren geben, die sich anschließend einer Tenure-Evaluation stellen und dann unbefristet bleiben können. Aber unbefristete Professorenanstellungen von Beginn an sind ebenso möglich. Zweitens durch das Engagement von Doktoratsstudenten, die in vier Jahren das Doktorat erwerben und sich dann in einem anderen Institut bewerben sollen. Und drittens durch die Anstellung von Post-Docs (jungen graduierten Forschern) auf die Dauer von vier bis fünf Jahren.

I.S.T.A. ist zu Kooperationen verpflichtet. Denn ein Drittel des Bundesbudgets, das sind bis 2016 100 Millionen Euro, wird nur dann ausbezahlt, wenn ein gleich hoher Betrag aus Drittmitteln eingebracht wird.

Der neue I.S.T.A.-Chef ist auf die Dauer von vier Jahren bestellt, seine Sicht reicht aber bis zum Ende der ersten Ausbaustufe im Jahr 2016: Da soll es 40 bis 50 Forschergruppen geben, eine Gruppe mit etwa zehn Mitarbeitern. Und international will man präsent sein: Durch Einladungen an renommierte Gäste zu Vorträgen und Seminaren und durch eigene Aktivitäten. „Man wird bewertet durch den Ruf in der internationalen Scientific Community“, sagt Henzinger.

Als negative Begleiterscheinung empfindet Heinzinger, dass bei allen Schwierigkeiten mit der Forschung und der Forschungsförderung stets gleich sein Institut ins Spiel gebracht werde. So habe man auch den CERN-Ausstieg mit I.S.T.A. in Verbindung gebracht. Zu diesem Ausstieg könne er nichts sagen, er sei aber „wenig hilfreich für den Ruf Österreichs als Wissenschaftsstandort“.

Einer der I.S.T.A.-Väter, der ehemalige Präsident des israelischen Weizmann-Instituts Haim Harari, sieht eben dieses Institut als Vorbild für das Vorhaben in Klosterneuburg. Und Thomas Henzinger? „Am ehesten die beiden ETH-Universitäten in der Schweiz. Das sind wissenschaftliche Spitzeneinrichtungen, die im Volk bekannt sind und auch geschätzt werden.“ Leitartikel S. 27

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 18.05.2009)

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15
Oct

Habe kein Problem mit wissenschaftlicher Elite

Aus meinem NEWS Archiv:

Thomas Henzinger: Der große Vorteil von I.S.T.A. ist der Beginn bei null.

Die Presse: I.S.T. Austria wehrt sich gegen die oft verwendete Bezeichnung als „Elite-Uni“.

Thomas Henzinger: Ich habe kein Problem mit dem Wort Elite, wenn damit Spitzenforschung gemeint ist. Diese Erwartungen sind richtig und sollen so sein, sonst hat I.S.T. Austria keine Existenzberechtigung. Womit ich nicht glücklich bin, ist, dass Elite sehr oft als soziale Elite interpretiert wird. Und eine Universität sind wir auch nicht.

Sind Sie mit Erfolgsdruck konfrontiert?
Henzinger: Erfolgsdruck ist natürlich da, dem muss man sich stellen.

Wie werden Sie Spitzenforscher rekrutieren?
Henzinger: Unser Hauptargument ist, dass man bei null anfängt. Es gibt hier keine Regeln und Beschränkungen; das ist eine einmalige Chance und immer eine Herausforderung. Und wichtig sind auch die ersten Berufungen.

I.S.T. Austria will die besten Spitzenforscher haben. Zahlt man auch Spitzengehälter?
Henzinger: I.S.T. zahlt Gehälter, die im internationalen, vor allem im kontinentaleuropäischen Raum durchaus üblich sind. Sonst können wir nicht unser Ziel erreichen.

Sind die Rahmenbedingungen hier in Klosterneuburg-Maria Gugging ideal?
Henzinger: Sie sind ideal; das hat mich auch überzeugt, nach Österreich zu kommen. Ideal ist, dass wir die Berufungen nach unseren eigenen Regeln vornehmen können, dass wir auch eigene Regeln haben, wie wir kommerziell verwertbare Erfindungen behandeln, wobei alle Rechte beim Institut liegen und ein Professor einen bestimmten Anteil erhält. Ideal wird auch die Ethik, das Zusammenwirken der Wissenschaftler, sein.

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 18.05.2009)

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08
Oct

Geldnot an den Unis der Eliten

Aus meinem NEWS Archiv:

Das Vermögen amerikanischer Topuniversitäten wie Harvard oder Yale schrumpft rapide. Börsenverluste und entfallende Spenden machen ihnen zu schaffen. Nun begeben sie milliardenschwere Anleihen, um den Bedarf zu decken.

Über Jahre hinweg galt die US-Eliteuniversität Yale als Musterbeispiel für erfolgreiche Geldvermehrung. Durch eigens entwickelte Investmentstrategien wurde im Zeitraum von 1993 bis 2008 eine jährliche Rendite von 15 Prozent erzielt. Das zum größten Teil in Stiftungen angelegte Vermögen der Universität wuchs in dieser Zeit mit Faktor sieben auf 23 Mrd. Dollar (16,5 Mrd. Euro).

Damit ist die Ausbildungsstätte des früheren US-Präsidenten George W. Bush die zweitreichste Universität der Welt. Auch Harvard, die reichste, erzielte jahrzehntelang ähnliche Renditen. Mitte des Vorjahres betrug das Vermögen 30 Mrd. Dollar. Doch seit einem Jahr geht es für die Eliteuniversitäten finanziell steil bergab. Die Kapitalausstattung der Stiftungen ist stark geschrumpft, auf 24 Mrd. Dollar bei Harvard und 16 Mrd. bei Yale. Der Hauptgrund sind Kursverluste an den Börsen. „Wir haben das Ausmaß der Wirtschaftskrise, genauso wie viele andere, schlicht und einfach unterschätzt“, gestand Yale-Präsident Richard Levin kürzlich in einem Interview ein.

Halbes Budget gefährdet. Tatsächlich leiden die Topuniversitäten in den Vereinigten Staaten überdurchschnittlich an der aktuellen Krise. Da sie im Gegensatz zu anderen Ausbildungsstätten viele Stipendien vergeben, finanzieren die Studiengebühren nur zwischen zehn und 15 Prozent des jährlichen Budgets. Knapp die Hälfte der Ausgaben werden aus den Erträgen der Stiftungen bezahlt. Bei weniger bekannten – und weniger wohlhabenden – Universitäten ist dieses Verhältnis umgekehrt.

Doch nicht nur die Kursverluste an den Finanzplätzen machen den amerikanischen Spitzen-Unis zu schaffen. Auch die Spenden bleiben während einer Rezession aus. Und hier gilt ebenso: Anders als weniger bekannte Ausbildungsstätten hängen Yale, Princeton und Co. überdurchschnittlich stark von diesem Faktor ab, weil manche ehemalige Studenten ihrer Alma Mater jährlich mehrere Millionen Dollar zufließen lassen.

Die exakte Höhe der Spendeneinnahmen wird von den privaten Universitäten nicht veröffentlicht. Schätzungen gehen aber davon aus, dass zumindest ein Zehntel des Budgets durch die Großzügigkeit früherer Studenten finanziert wird. Das Budget für Yale wurde für das heurige Jahr mit knapp 2,5 Mrd. Dollar veranschlagt.

Um sich finanziell über Wasser zu halten, bedienen sich die Eliteuniversitäten nun am Kapitalmarkt. Durch die Begebung von Anleihen borgen sie Geld von den Anlegern. Das ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Allerdings ist der Umfang der ausgegebenen Anleihen so hoch wie nie zuvor. Harvard hat sich vor wenigen Wochen 1,5 Mrd. Dollar auf dem Kapitalmarkt geborgt, Princeton und die kalifornische Uni Stanford jeweils eine Milliarde und Yale 800 Millionen.

Schlechte Schuldner? Der Verschuldungsgrad der US-Universitäten ist mittlerweile so groß, dass die Ratingagentur Moody’s spezifisch davor warnt. Bis zu Beginn der Finanzkrise im Vorjahr hielten die meisten US-amerikanischen Universitäten die höchste Bonitätsstufe „Triple-A“. Doch seit Jahresbeginn hat Moody’s zwanzig Institutionen herabgestuft. Die bekannteste ist Dartmouth im Bundesstaat New Hampshire. Bei 55 weiteren Universitäten – etwa Cornell in New York und Duke in North Carolina – warnt die Agentur vor einem „negativen Ausblick“.

Für Harvard und Yale hat Moody’s das „AAA“-Rating zwar bestätigt, da die Stiftungen trotz der Kursverluste noch über ausreichend Kapital verfügten. Die Agentur hat aber angekündigt, die Liquidität zumindest bis Jahresende genau im Auge zu behalten. Steigt die Verschuldung weiter an, sei eine Rückstufung der Bonität auch für die beiden reichsten Universitäten der Welt nicht ausgeschlossen.

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 21.06.2009)

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