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Die Technische Universität München stellt Initiativen für eine Eliteförderung vor. Die besondere Förderung muss schon in den ersten Semestern beginnen.
MÜNCHEN. Eliteprogramm in Deutschland: Victor Fischer und Alexander Wille studieren Maschinenbau an der Technischen Universität München. Beide sind Stipendiaten von Stiftungen für Hochbegabte, und sie sind zugleich zwei von derzeit 220 Teilnehmern an dem TU-Mentorenprogramm „Erfahrene Wege in die Forschung“, das jetzt seine vierjährige Pilotphase abgeschlossen hat. In diesem Programm betreuen erfahrene Professoren – fast alle sind schon emeritiert – hochbegabte Studenten und Studentinnen ihrer Fakultät. Die TU München, eine der ersten deutschen Hochschulen mit der Auszeichnung „Eliteuniversität“, will mit diesem und mit einigen anderen Förderprogrammen gezielt „um die besten Köpfe werben“, so der für diese Programme zuständige TU-Vizepräsident Professor Peter Gritzmann.
Alumni als Mentoren
So gibt es etwa das Programm „TUM“, ein Kontakt-Netzwerk, in dem junge Alumni (Absolventen der TU) ausgewählte Studierende betreuen und auf den Berufseinstieg vorbereiten. Mentor und geförderter Student bilden ein Tandem. An der Carl von Linde-Akademie der TU werden Studierenden in Veranstaltungen über das Fachwissen hinaus Schlüsselkompetenzen vermittelt. Mit dem Programm IKOM wird den Studierenden ein Karriereforum für Kontakte mit Industrie und Wirtschaft angeboten.
Fast alle Teilnehmer an dem Programm „Erfahrene Wege in die Forschung“ sind Stipendiaten verschiedener Stiftungen für Hochbegabte und von ihren Stiftungen für das Programm vorgeschlagen worden. Ein anderer Weg in dieses Programm führt über die Hochschullehrer, die hochbegabte Studierende ihrer Fakultät dafür vorschlagen können. Besonderen Wert legt die TU München darauf, dass die Eliteförderung schon in den ersten Studiensemestern beginnt.
Die Studierenden und ihre Mentoren treffen sich mehrmals im Semester in kleinen Gruppen auf Fakultätsebene. Besprochen werden unter anderem allgemeine und fachliche Fragen. Es gibt Referate über Diplom- und Doktorarbeiten, auch Privates kommt zur Sprache. Ausdrücklich nicht gewünscht ist die fachliche Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten. Zwei Mal im Semester werden in den einzelnen Fakultäten sogenannte persönlichkeitsbildende Seminare mit Vorträgen herausragender Persönlichkeiten angeboten, mit Informationsbesuchen und Gesprächen bei Firmen sowie Institutionen und auch ungewöhnlichen Einblicken. So hat sich eine Gruppe beispielsweise in einem Theater damit beschäftigt, wie ein Theaterstück entsteht.
Die Mentoren unterstützen die Studierenden auch bei der Suche nach und Bewerbung für Studien- und Forschungsaufenthalte sowie Praktika im In- und Ausland. 25 emeritierte Professoren, darunter viele international renommierte, und drei noch voll aktive haben sich ehrenamtlich als Mentoren in den Dienst dieses Programms gestellt. Erfasst werden dadurch 220 solcherart geförderte Hochbegabte, das ist ein Prozent der 22.000 Studierenden der TU München.
Das Programm „Erfahrene Wege in die Forschung“ ist 2005 auf Initiative des Medizinprofessors Paul Gerhardt in Leben gerufen und als Pilotprojekt von der Robert-Bosch-Stiftung mitfinanziert worden. Diese Finanzierung läuft jetzt aus. Eine Fortsetzung ist aber – auch wenn noch nicht alle Details der Weiterfinanzierung geklärt sind – schon sicher.
Die andere Seite: Triste Situation
Die bei einer international besetzten Tagung präsentierten Modelle der TU München wurden deshalb hervorgehoben, weil die Situation an den deutschen Universitäten oft völlig anders aussieht. „Deutschlands Professoren müssen zu viel lehren“, titelte vor kurzem die unabhängige „Deutsche Universitätszeitung – DUZ“. Daher sei die Bundesrepublik bei Top-Forschern international nicht wettbewerbsfähig.
In einem Interview warnt Thomas May, Generalsekretär des deutschen Wissenschaftsrates (Beratungsgremium der Bundesregierung), dass Professoren an den deutschen Universitäten nicht mehr zum Forschen kommen. Sie sind derzeit in der Regel mit acht Semesterwochenstunden belastet. „Mit dem bestehenden Lehrdeputat ist Deutschland international nicht wettbewerbsfähig“, so May.
Gefordert wird jetzt die Senkung auf nur noch fünf Semesterwochenstunden. Noch schlechter sind die Professoren an den Fachhochschulen dran, die im Durchschnitt 18 Semesterwochenstunden im Hörsaal stehen.
Der Wissenschaftsrat spricht sich deshalb für eine „Personalkategorie unterhalb der Professorenebene“ aus. Die Bedeutung der Lehre und der Status derjenigen, die diese an einer Hochschule leisten, müsse entscheidend verbessert werden. Und es müsse auch ein Budget dafür geben.
(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 18.05.2009)
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