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08
Oct

Geldnot an den Unis der Eliten

Aus meinem NEWS Archiv:

Das Vermögen amerikanischer Topuniversitäten wie Harvard oder Yale schrumpft rapide. Börsenverluste und entfallende Spenden machen ihnen zu schaffen. Nun begeben sie milliardenschwere Anleihen, um den Bedarf zu decken.

Über Jahre hinweg galt die US-Eliteuniversität Yale als Musterbeispiel für erfolgreiche Geldvermehrung. Durch eigens entwickelte Investmentstrategien wurde im Zeitraum von 1993 bis 2008 eine jährliche Rendite von 15 Prozent erzielt. Das zum größten Teil in Stiftungen angelegte Vermögen der Universität wuchs in dieser Zeit mit Faktor sieben auf 23 Mrd. Dollar (16,5 Mrd. Euro).

Damit ist die Ausbildungsstätte des früheren US-Präsidenten George W. Bush die zweitreichste Universität der Welt. Auch Harvard, die reichste, erzielte jahrzehntelang ähnliche Renditen. Mitte des Vorjahres betrug das Vermögen 30 Mrd. Dollar. Doch seit einem Jahr geht es für die Eliteuniversitäten finanziell steil bergab. Die Kapitalausstattung der Stiftungen ist stark geschrumpft, auf 24 Mrd. Dollar bei Harvard und 16 Mrd. bei Yale. Der Hauptgrund sind Kursverluste an den Börsen. „Wir haben das Ausmaß der Wirtschaftskrise, genauso wie viele andere, schlicht und einfach unterschätzt“, gestand Yale-Präsident Richard Levin kürzlich in einem Interview ein.

Halbes Budget gefährdet. Tatsächlich leiden die Topuniversitäten in den Vereinigten Staaten überdurchschnittlich an der aktuellen Krise. Da sie im Gegensatz zu anderen Ausbildungsstätten viele Stipendien vergeben, finanzieren die Studiengebühren nur zwischen zehn und 15 Prozent des jährlichen Budgets. Knapp die Hälfte der Ausgaben werden aus den Erträgen der Stiftungen bezahlt. Bei weniger bekannten – und weniger wohlhabenden – Universitäten ist dieses Verhältnis umgekehrt.

Doch nicht nur die Kursverluste an den Finanzplätzen machen den amerikanischen Spitzen-Unis zu schaffen. Auch die Spenden bleiben während einer Rezession aus. Und hier gilt ebenso: Anders als weniger bekannte Ausbildungsstätten hängen Yale, Princeton und Co. überdurchschnittlich stark von diesem Faktor ab, weil manche ehemalige Studenten ihrer Alma Mater jährlich mehrere Millionen Dollar zufließen lassen.

Die exakte Höhe der Spendeneinnahmen wird von den privaten Universitäten nicht veröffentlicht. Schätzungen gehen aber davon aus, dass zumindest ein Zehntel des Budgets durch die Großzügigkeit früherer Studenten finanziert wird. Das Budget für Yale wurde für das heurige Jahr mit knapp 2,5 Mrd. Dollar veranschlagt.

Um sich finanziell über Wasser zu halten, bedienen sich die Eliteuniversitäten nun am Kapitalmarkt. Durch die Begebung von Anleihen borgen sie Geld von den Anlegern. Das ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Allerdings ist der Umfang der ausgegebenen Anleihen so hoch wie nie zuvor. Harvard hat sich vor wenigen Wochen 1,5 Mrd. Dollar auf dem Kapitalmarkt geborgt, Princeton und die kalifornische Uni Stanford jeweils eine Milliarde und Yale 800 Millionen.

Schlechte Schuldner? Der Verschuldungsgrad der US-Universitäten ist mittlerweile so groß, dass die Ratingagentur Moody’s spezifisch davor warnt. Bis zu Beginn der Finanzkrise im Vorjahr hielten die meisten US-amerikanischen Universitäten die höchste Bonitätsstufe „Triple-A“. Doch seit Jahresbeginn hat Moody’s zwanzig Institutionen herabgestuft. Die bekannteste ist Dartmouth im Bundesstaat New Hampshire. Bei 55 weiteren Universitäten – etwa Cornell in New York und Duke in North Carolina – warnt die Agentur vor einem „negativen Ausblick“.

Für Harvard und Yale hat Moody’s das „AAA“-Rating zwar bestätigt, da die Stiftungen trotz der Kursverluste noch über ausreichend Kapital verfügten. Die Agentur hat aber angekündigt, die Liquidität zumindest bis Jahresende genau im Auge zu behalten. Steigt die Verschuldung weiter an, sei eine Rückstufung der Bonität auch für die beiden reichsten Universitäten der Welt nicht ausgeschlossen.

(”Die Presse”, Print-Ausgabe, 21.06.2009)

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